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Hot Take · AI

Kostenlos reicht nicht.
Auch bei AI-Software.

Zum ersten Mal bin ich in einer Diskussion über Adobe auf Adobes Seite. Zumindest bei der Frage, ob kostenlose AI-Nachbauten das Geschäft mit professioneller Software erledigen.

Ich verstehe den Reiz. Wer für Software jeden Monat bezahlt, schaut sich eine kostenlose Alternative gerne an. Wenn AI dabei hilft, solche Alternativen schneller zu entwickeln, ist das erst einmal gut. Mehr Auswahl kann auch etablierten Anbietern etwas Druck machen.

Nur folgt daraus noch lange nicht, dass die kostenlose Software gewinnt.

Eine Anwendung nachzubauen ist erst der Anfang

Mit PhotoCraft gibt es beispielsweise ein Projekt, das Photoshop nachbilden will. Die Entwickler werben mit vertrauten Bedienelementen, Ebenen und der Unterstützung von Photoshop-Dateien. Wie zuverlässig das im eigenen Arbeitsalltag funktioniert, muss sich in der Nutzung zeigen. PhotoCraft auf GitHub

Genau dort wird die Diskussion für mich interessant. Eine Anwendung kann auf den ersten Blick sehr viel von dem können, was ich brauche. Ob ich damit arbeiten möchte, entscheidet sich oft an den weniger auffälligen Dingen.

Öffnet sie die Dateien meiner Kunden richtig? Funktioniert der Export so, wie die Druckerei ihn erwartet? Kann eine Kollegin das Projekt nächste Woche übernehmen? Und was passiert, wenn nach einem Update etwas nicht mehr geht?

Wer beruflich mit Software arbeitet, kauft auch die Erwartung, dass solche Dinge funktionieren. Diese Erwartung muss sich ein neuer Anbieter erst verdienen.

Das heißt nicht, dass Adobe sie immer erfüllt. Es erklärt aber, warum ein kostenloser Nachbau nicht automatisch einen Wechsel auslöst.

Die Lizenz ist nur ein Teil der Kosten

Stellen wir uns eine kostenlose Anwendung vor, die einem Unternehmen 60 Euro im Monat spart. Dafür muss jemand regelmäßig Dateien nachbearbeiten, Exporte prüfen oder einen Fehler umgehen.

Sobald das mehr als eine Stunde kostet, kann die Ersparnis schon weg sein. Das ist ein Rechenbeispiel, keine Bewertung einer bestimmten Anwendung. Aber genau so sollte man Software im Unternehmen beurteilen.

Zur Rechnung gehört auch die Umstellung. Menschen müssen sich einarbeiten. Bestehende Vorlagen müssen weiter funktionieren. Vielleicht hängen andere Anwendungen am bisherigen System.

Manchmal lohnt sich dieser Aufwand. Manchmal ist er sogar längst überfällig. Nur verschwindet er nicht, weil auf der Downloadseite „kostenlos“ steht.

„Kostenlose Software gewinnt nicht“ geht mir trotzdem zu weit

Natürlich kann kostenlose Software gewinnen. Wenn sie eine Aufgabe gut löst und zuverlässig funktioniert, ist der fehlende Lizenzpreis ein echter Vorteil.

Die Aussage, die ich unterschreiben würde, ist deshalb etwas genauer: Kostenlos allein reicht nicht.

Das gilt übrigens genauso für kostenpflichtige Software. Ein hoher Preis beweist keine Qualität. Und wer Kunden vor allem dadurch hält, dass der Wechsel unangenehm ist, sollte sich seiner Sache nicht zu sicher sein.

AI kann es neuen Anbietern erleichtern, eine brauchbare Alternative zu entwickeln. Damit steigt der Druck, den eigenen Preis durch einen tatsächlichen Nutzen zu rechtfertigen. Das finde ich gut.

Für Unternehmen ist das die wichtigere AI-Frage

Dieselbe Diskussion führen wir gerade bei selbst entwickelter Software. Wenn AI eine kleine Anwendung in kurzer Zeit bauen kann, warum sollte ein Unternehmen noch für ein bestehendes Produkt bezahlen?

Weil die erste funktionierende Version noch nicht die ganze Arbeit erledigt.

Jemand muss prüfen, ob die Anwendung mit den richtigen Daten arbeitet. Jemand muss Fehler beheben und Änderungen am Geschäftsprozess berücksichtigen. Auch eine mit AI gebaute Lösung braucht jemanden, der sich verantwortlich fühlt.

Bei einer kleinen internen Aufgabe kann das überschaubar sein. Dann ist eine eigene Lösung vielleicht genau richtig. Bei einem System, an dem die tägliche Arbeit mehrerer Menschen hängt, sieht die Rechnung anders aus.

Für uns bei Diverently ist deshalb die Frage entscheidend, wie gut eine Lösung im Betrieb funktioniert. Spart sie tatsächlich Arbeit? Wie viel Betreuung braucht sie? Können die Menschen, die damit arbeiten sollen, sie sinnvoll nutzen?

Ob sie gekauft, kostenlos heruntergeladen oder mit AI entwickelt wurde, gehört zur Entscheidung dazu. Es beantwortet diese Fragen aber noch nicht.

Ich muss Adobes Preispolitik nicht mögen, um zu verstehen, warum Menschen weiter für Adobe bezahlen. Wer eine kostenlose Alternative anbietet, muss ihnen einen guten Grund zum Wechseln geben. Der Preis kann einer davon sein. Verlässliches Arbeiten ist für mich der wichtigere.

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